Tag 12

  • Besorgt blickte sie sich zu Yuuka um, doch die nickte ihr nur aufmunternd zu. Sichtlich zögernd ergriff sie die Hand, die Komachi ihr hinreichte, und setzte den ersten Fuß aufs Boot, welches erstaunlicherweise kaum schwankte. Die kleine Überfahrt dauerte zum Glück gar nicht lange. Als sie die andere Seite erreicht hatten, machte Komachi das Boot an einem übers Wasser ragenden Baum fest und sagte: "Ich komme mit euch. Der See friert eh bald zu, da braucht niemand mehr eine Überfahrt."
    In der Ferne konnte man schon den Rauch eines kleinen Schornsteins aufsteigen sehen. Zwischen den Bäumen war klar bereits ein kleines Häuschen zu erkennnen. Zitternd und fröstelnd hinterließen sie tiefe Stapfen im Schnee. Gleich war es endlich geschafft. Tewi freut sich schon darauf ihre kalten Schlappohren endlich am Feuer zu wärmen. Doch was für ein Anblick bot sich da ihnen beim Eintritt? Zu ihrer Überraschung war das Häuschen bereits gefüllt von Leuten als sie eintraten. Girlanden hingen quer durch den Raum, ein kleiner Baum im Topf mit allerlei Schmuck zierte die Ecke neben dem Kamin und auf dem Tisch mit der rot-weiß gekachelten Decke stand ein großer Teller mit Plätzchen. Drum herum tollten eine kleine Fee und eine Maus, lachten, johlten und naschten. Als ihnen Yuukas Blick auffiel, die sie mit kritischer Miene musterte, blieben sie direkt stehen. "Dürfen wir bleiben und uns kurz hier aufwärmen?", fragte sie Nazrin mit großen Augen. Cirno nickte eifrig.

    Eirin und Reisen waren ebenfalls bereits da und pflegten einen äußerst bemitleidenswert aussehenden, kranken Tengu. "Da bist du ja wieder, Yuuka. Die beiden sind schon eine ganze Weile hier. Sie haben mir sehr beim Dekorieren und Backen geholfen. Ich bin mir fast sicher, dass sie bleiben können, nicht wahr?" Yuuka rollte schon mit den Augen, aber Eirin fuhr unbeirrt fort. "Unserer Patientin geht es mittlerweile auch schon wesentlich besser. Gut, dass du sie direkt nach ihrem Absturz in deinen Vorgarten gefunden hast. Das Schlimmste ist überstanden, nur den Schnupfen wird sie noch eine Zeit lang mit sich herum tragen müssen. Ich bin mir fast sicher, dass wir alle trotzdem noch unsere Feiertagsausgabe der Bunbunmaru-Zeitung erhalten werden."

    Besagte Patientin saß in eine warme Decke eingewickelt auf einem Schemel am Karmin. Aya schien gar nicht fröhlich zu sein. Es sah aus als wüsste sie nicht ob sie als Nächstes weinen oder niesen müsste. Mit triefender Nase beteuerte sie immer wieder: "Es tut mir so leid. Hatschi! Verdammt. Ich hab sie einfach im Stich gelassen. Hätte ich doch nur ..."

    "Diese Briefe zugestellt?!", schallte es laut und dumpf durch den Raum. Alle schauten sich ganz verwundert um, wo dieses Geräusch nur herkommen mochte. Im Zimmer schien es auch merklich wärmer zu werden. In der Tat so warm, dass Aya vom Schemel aufsprang und ein Stück zurückwich.

    Da kam auch schon etwas in einem Feuerschwall durch den Kamin gesaust. Als der Staub sich wieder gelegt hatte, richtet sich Weihnachtsmokou auf und klopfte sich den Ruß von den Mütze. "Besinnlichen Festabend euch allen!", verkündete sie lautstark. "Keine Sorge, die Bescherung beginnt gleich. Jedoch muss ich zunächst etwas klar stellen. Aya, du hast mir auch in diesem Jahr einen großen Dienst erwiesen, selbst wenn du diese letzten paar Briefe nicht mehr ausliefern konntest. Ich hoffe du erholst dich bald und willst mir auch in Zukunft wieder die Wunschzettel der Einwohner Gensokyos liefern." "Aber was wird aus denen, deren Wünsche du nicht erhalten hast?", wimmerte Aya nur. "Darum mach dir keine Sorgen, sie werden auch ihren Wunsch erfüllt bekommen, dank meiner Zauberkräfte und der Hilfe von Tewi."

    "Von mir?", Tewi war sichtlich überrascht. "Wie soll jemand wie ich dir denn behilflich gewesen sein?" "Nun mach dich nicht kleiner als du bist, kleines Häschen. Du hast die übrigen Personen dazu gebracht ihre Wünsche laut auszusprechen, sodass ich sie hören konnte. Auf diese Weise konnte ich ihre Wünsche trotzdem erfahren. Danke für deine Mithilfe, Tewi. Ohne dich wären Cirno und Nazrin sicher leer ausgegangen." Aya kam ins Grübeln. "Ich weiß, dass ich Cirnos und Nazrins Briefe in der Tasche hatte. Aber Eirins Wunschzettel war auch dabei, das weiß ich. Der ist mir nämlich sofort wegen der schönen Handschrift aufgefallen."

    "Stimmt, ich habe überhaupt kein Geschenk für Master", warf Tewi ein. "Das, obwohl ich doch bemüht hab ihren Weihnachtswunsch zu erfüllen." "Aber Tewi", warf Eirin ein. "Du kleiner Dummkopf." Sie deutete mit der Hand zum Fenster. "Mein Wunsch nach weißen Weihnachten hat sich doch bereits erfüllt!"

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